Andreas Gursky

Aus der Flut der fotografischen Bilder haben sich Andreas Gurskys Arbeiten auf ganz besondere Weise in unser visuelles Gedächtnis eingeprägt.
Seine fast feierlichen Panoramen, Gruppenszenen oder Architekturaufnahmen haben bisweilen den Anschein, als hätte Gursky nicht nur die Bilder, sondern die Dinge selbst in einer großen Geste erschaffen.
Wobei er seinen “Gegenstand” bis ins kleinste Detail lange und genau zu kennen scheint. Als zeitgenössischer Beobachter unserer modernen Welt untersucht er, wie er selbst sagt, den Aggregatzustand von Dingen wie riesige Apartmenthäuser, die Börse von Tokio, Hong Kong oder New York, imposante Hotellobbies, erhabene Landschaften, Sportveranstaltungen, Technokonzerte oder High-Tech-Industrie.
Als verführerische, manchmal atemberaubende Ansichten spiegeln seine Bilder wie Leitmotive im “Breitbandformat” das moderne Leben am Ende des 20. Jahrhunderts. Mit zahlreichen brillanten Farbabbildungen, doppelseitigen Detailaufnahmen und vielen Vergleich sabbildungen bietet dieses in Zusammenarbeit mit dem Künstler großzügig gestaltete “Over-Size”- Buch den ersten umfassenden Überblick über sein beeindruckendes Gesamtwerk von 1984 bis heute.
Hektisch tätige Aktienhändler an der Börse von Tokyo, begeisterte Zuschauermassen bei einem Rockkonzert, ein gigantischer Wohnblock in Paris oder die Oberflächenstruktur des Teppichbodens in der Kunsthalle Düsseldorf. Die Werke des Fotokünstlers Andreas Gursky bewegen sich zwischen Realismus und Abstraktion, lassen sich aus der Distanz wie der Nähe betrachten und zeigen in der Tiefe eine Zustandsbeschreibung der modernen Welt.
Die vorliegende Publikation erschien anlässlich der ersten großen Retrospektive des 45-jährigen Düsseldorfer Fotografen im Museum of Modern Art (MOMA) in New York. Auf 56 Bildtafeln wird sein Werk von 1984 bis in die Gegenwart vorgestellt. Viele seiner Fotografien der 80er-Jahre erscheinen auf den ersten Blick profan wie die Wanderer am Klausenpass oder Schwimmende in einem Freibad in Ratingen. Gursky zeigt den Einzelnen und sein kollektives Handeln in dessen natürlicher, städtischer oder sozialer Umwelt und erreicht dadurch in seiner Bildaussage eine metaphysische Spannung.
In den 90er-Jahren ändern sich seine Motive, seinem Sujet bleibt er jedoch treu. Jetzt sind es Megaereignisse wie Sportveranstaltungen oder Raves, die Darstellung von Massenproduktion, Warenpräsentation und Markenfetisch, aber auch Aufnahmen absolut optischer Stille wie die eines leeren Verkaufsregals bei Prada oder der geradlinigen Abbildung des Rheins. Die Ästhetik der Fotografie Gurskys liegt nicht nur in der zeitgenössischen Motivwahl, sondern vielmehr in der klaren und geordneten, zum Teil auch digital bearbeiteten Bildkomposition.
Der Bildband präsentiert die hervorragend reproduzierten Fotoaufnahmen grob chronologisch geordnet. Dabei sind einzelne Detailansichten zwischen den Aufnahmen eingefügt, um thematische Schwerpunkte in Gurskys Arbeit zu betonen.
Die gekonnte Werkdarstellung wird durch einen interessanten Essay des MOMA-Kurators Peter Galassi eingeführt, in welchem der Werdegang und die künstlerische Orientierung von Andreas Gursky aufgezeigt und mit vielen Bildbeispielen, auch unveröffentlichter Arbeiten, dargestellt wird.
Ein wichtiges und aufschlussreiches Werk deutscher Gegenwartskunst, das einen auf die weitere Entwicklung eines der bekanntesten Persönlichkeiten der gegenwärtigen Kunstfotografie gespannt sein lassen darf. –Stefan Meyer
(c)1998,1999 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften
Andreas Gursky
- Gebundene Ausgabe
- Verlag: Hatje Cantz Verlag (2001)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3775710523
- ISBN-13: 978-3775710527
- Größe und/oder Gewicht: 34,6 x 31,4 x 2,8 cm
